Territorien des Selbst #1

 

 

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80×50 auf Finnpappe

 

Das haben wir uns verdient! Endlich Urlaub, endlich ein Tag in der Wellnessoase, endlich ausspannen, erholen von all dem Stress. Und dafür hat man auch bezahlt, teuer sogar. Und was wäre eine Erholung ohne eine Liege?

Also, wer zuerst kommt, der hat das Recht, der hat die Macht und zwar für den ganzen lieben langen Tag. Markiert wird dieses durch Stellvertreter-Selbste: ein Handtuch, noch besser ein Buch. Das erklärt den Besitz: meine Liege, mein Platz, mein Territorium!

Oft sieht man dann das Bild, wie oben dargestellt: niemand da. Der Besitzer seines Reiches liegt im Pool, betrinkt sich an der Cocktailbar, vielleicht schaut er auf dem Zimmer fern, weil die Sonne so brennt oder schiebt und dreht am Kicker.

Ist man zu spät, nicht aufgeweckt, nicht der Erste, irgendwie schlecht organisiert, im Mangel sozusagen, hat man hier leider das Nachsehen und ist unterlegen. Irgendwie schaffen es die Überlegenen und herrschen über das üppige Angebot, denn Liegen gäbe es rein theoretisch genug für alle, hielten sie sich an die Regel: Bitte keine Liegen reservieren!

Da kann man sauer werden und grimmig und in sich hinein grollen, es hilft nicht: wer zuerst kommt, hat Recht! Das kann der Nachbarliegenbesitzer bestätigen, denn der hat es ja auch so gemacht. Was macht man da? Eigentum entfernen? Oder noch schlimmer, das aufgeschlagene Buch, das symbolisiert, bin nur mal kurz Pipi? Und will man deshalb jetzt echt eine Welle machen? Da das kaum jemand wagt, weil man nun mal nicht an fremder Leute Eigentum geht, wird die gängige Ordnung damit anerkannt und eine „absurde Durschsetzungsfähigkeit“ einer Minderheit setzt sich durch (Heinrich Popitz).

Und so entsteht ein Kampf: wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Me first. Und die schöne Errungenschaft einer modernen Sozialbeziehung geht den Bach runter oder macht Arschbombe vom Beckenrand.

Ja, wie kann man das nur lösen? Mehr desselben? Es gibt Menschen, die sind besonders schlau und legen schon abends ihr Handtuch auf eine Liege. Ganz einnehmende Wesen brauchen manchmal sogar eine Liege für all das Taschengedöns, das man so mit sich rumschleppt. Oder man stellt noch mehr Schilder auf und vielleicht wacht ein großer, grimmig dreinschauender Bademeisteroberkontrolleur über die Herrschaft der Liegen? Ja, genau! Jemand nimmt das mal in die Hand und kümmert sich darum! Irgendeiner muss doch die Verantwortung übernehmen! Oder, jetzt wird es besonders schwachsinnig, man bucht seinen Urlaub mit seiner Liege, quasi ein Komplettpaket der Macht, schon frühzeitig beim Reiseveranstalter.

 

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8 Antworten zu “Territorien des Selbst #1

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