La porte condamnée

 

Im Februar, vielleicht erinnern Sie sich, veröffentlichte ich dieses Bild

 

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Wolfswinter #14/27

 

Dann fand ich kürzlich einen Veranstaltungshinweis

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und las das gleichnamige Buch von Andreas Altmann.

Darin folgendes Zitat:

Im Französischen gibt es den eigenwilligen Ausdruck „une porte condamnée“, wörtlich übersetzt: eine verurteilte Tür. Gemeint ist eine Tür, die unpassierbar ist, blockiert. So ein vernageltes Tor hängt auch bei mir, hängt vor jener Herzkammer, die an meinem Geburtstag verbarrikadiert wurde. Auf ewig. Keine Rosskur, auch keine Schreibkunst, wird sie aufbrechen. Auch nicht der Mensch, der bereit wäre, mich zu lieben, schaffte sie – die Tür, eben dieses Wissen der Wertlosigkeit – aus der Welt. Denn ich, und jeder andere mit einer ähnlich vernichtenden Erfahrung, würde die Liebe nicht zulassen. Riecht sie doch nach Unheil, nach Todesangst. Sie ist nicht Liebe, sie ist der Tod. Sich der Liebe ausliefern, als Liebender oder als Geliebter, hieße, ins offene Messer rennen. Deshalb die Tür. Sie bewahrt uns vor dem Messer. All diejenigen, die bedenkenlos und unverbrüchlich geliebt wurden, nennen unsereins einen Feigling. Sie wissen nicht, was sie reden.

aus „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ von Andres Altmann, erschienen im Piper Verlag

Wow, dachte ich und habe jedesmal diese Gänsehaut.

Und es ist ja auch diese Tür, die ich auf Opas Foto sah

Opa, 10 Jahre

 

Im übrigen bekam ich zuerst nur dieses Foto von 1937 mit seiner Akte (Wolfswinter 27 plus x (27/27 und Postkarte #59)). Ich fragte noch einmal im Heim nach und siehe da: Ich bekam auch die Akten seiner Geschwister mit den entsprechenden Fotos der Kinder. Darauf immer wieder diese Tür. Diese verdammte Tür.

 

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Die Bilder lassen sich einzeln vergrößern. Einfach daraufklicken.

Aquatinta, Unikate, von Kupferplatte 20 x 30 auf Hahnemühlepapier 38 x 54

 

Die schlimmste Phase im Leben ist übrigens die, in der man heulend, niedergeschlagen und verzweifelt vor dieser Tür sitzt und mit allem hadert. Sie kennen mit Sicherheit jemanden, der gerade vor solch einer Tür sitzt und sich bedauert. Seien Sie gnädig mit diesem Menschen. Beurteilen oder verurteilen Sie ihn nicht. Ich bin der festen Überzeugung, dass das im Leben eine wichtige und unumgängliche Phase ist. Man muss sich und sein Schicksal auch selbst bedauern können. Wie lange man dafür braucht? So lange, wie es nötig ist. Wer kann das beurteilen?

Wunder-bar ist es, wenn der Mensch es schafft, sich mit dieser Tür irgendwie zu arrangieren, wenn es ein Wunder gibt, eine helfende Prothese.

 

 

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10 Antworten zu “La porte condamnée

  1. Ein beeindruckender, auch bedrückender Beitrag. Auch der Textauszug sagt so viel.

    Ja, ich stimme Dir zu, es gehört dazu und sollte nicht verurteilt werden, wenn Menschen eine Weile vor der verdammten Tür sitzen und sich und das Schicksal bedauern. Das gehört einfach zum Prozess der Verarbeitung (ich wage nicht, gar von Heilung zu sprechen) dazu.
    Heute scheint es ja modern zu sein, sich selbst und anderen zu raten, nach vorn zu schauen, die Dinge anzupacken, nicht zu jammern – und dann wird das schon – angeblich. Ich bin überzeugt, dass das nur oberflächliche Besserung bringt, der Mensch „funktioniert“ wieder – irgendwie – bis eine erneute „Reparatur“ ansteht.

    Das Ergebnis: die, es nicht schaffen zu funktionieren, haben nur nicht fest genug nach vorn geschaut, waren nicht fleißig genug in ihrem Optimismus, oder sind angeblich Jammerlappen, die sich selbst bedauern und sich gehen lassen.

    • Liebe Agnes,
      da stimme ich dir zu!
      Das Leiden ist eine unabdingbare Bedingung im Prozess. Viele wollen das überspringen und es wird nicht funktionieren. Zuerst muss man durch das finstere Jammertal und in gewissen Fällen gibt es keine Heilung. Diese Tür wird immer zu bleiben, man muss halt lernen damit zu leben, zu seinen Bedingungen. Es werden dafür andere Türen kommen, solche, die sich öffnen lassen. Ich halte vom „Positiven Denken“ gar nichts! Warum? Man soll nur richtig Denken, schon läuft es und dann kommen auch die richtigen Gefühle. So einfach soll das sein? Wasn Quatsch.
      Liebe Grüße und Danke für deine Rückmeldung!

    • So im Nachhinein habe ich auch über das Wort Gnade nachgedacht und möchte es lieber durch Wohlwollen eintauschen. Das wird ein Leben zeigen, ob man irgendwann sagen kann: ich blicke mit Wohlwollen auf dieses Hindernis, was immer zu da stand und ich nicht durchgehen durfte. Das schmerzt schon arg in manchen Lebenssituationen. Liebe Grüße, Heike

  2. Liebe Heike, das Buch habe ich auch gelesen, schon vor einigen Jahren. Diese Wucht darin. Die braucht es wohl, wenn die Wellen immer wieder gegen die verschlosene Herztür prallen.

  3. Darf ich es verlinken? Seit die Fädenrisse nicht mehr öffentlich einsehbar sind bekommen verlinkte Blogs keine Pingbacks mehr, deshalb frage ich.

      • Nichts zu danken. Wenn du magst, kannst du auch klopfen kommen. Das Blog läuft normal weiter, nur nicht mehr öffentlich sichtbar. Einfach Blog-URL eingeben und dann den Anweisungen folgen. WordPress schickt mir dann eine Mail, dass du reinwillst, ich muss dann nur die Tür aufmachen und du kannst in deinen Account von WP eingeloggt ganz normal mitlesen.

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